Zuckersüße Angelegenheit: Was von Honig zu halten ist

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Die goldene Farbe, der unverkennbare Geschmack, der süß-zarte Duft – Honig hat eine ganz eigene Sinnlichkeit. Kein Wunder, dass er früher sogar als flüssiges Gold bezeichnet wurde. In Zeiten, in denen die Menschen praktisch nur damit süßen konnten, galt Honig als kostbare Ware. Heute ist Zucker das Süßungsmittel Nummer eins, aber Honig spielt trotzdem eine große Rolle. Im Schnitt isst jeder Deutsche pro Jahr etwas mehr als ein Kilogramm Honig. Verzehrt wird er als Brotaufstrich, im Salatdressing, als Bonbon oder als Zuckerersatz in Kuchen, Brot und Gebäck. Da Honig ein reines Naturprodukt ohne Zusatzstoffe ist, haben Verbraucher oft ein besonders gutes Gefühl, wenn sie zu Honig greifen. Das gilt nicht nur für die Ernährung, sondern auch dann, wenn Honig als Heilmittel eingesetzt wird. Honig wird nachgesagt, bei Erkältungen und Husten zu helfen, antibakteriell zu wirken und entzündungshemmend zu sein. Kein Wunder, dass der meiste Supermarkthonig in den nasskalten Monaten zwischen Oktober und März verkauft wird.

Tatsächlich sind in Honig viele verschiedene Aminosäuren, Eiweiße, Enzyme, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Allerdings in so geringer Konzentration, dass man schon kiloweise Honig verzehren müsste, um nachweislich davon zu profitieren. Angesichts des hohen Zuckergehalts keine gute Idee. Honig enthält zu etwa drei Viertel Fruchtzucker und Traubenzucker (Fructose und Glukose) und zu etwa einem Fünftel Wasser. Ist Honig also komplett wirkungslos? Nein. Menschen, die beispielsweise bei Erkältungen auf heiße Milch mit Honig schwören, können durchaus vom Placebo-Effekt profitieren. Die trockenen Schleimhäute werden durch die Flüssigkeit befeuchtet, was wohltuend wirkt. Falsch ist die heiße Honigmilch also ganz sicher nicht.

Eine einzelne Honigsorte, der sogenannte Manukahonig, der in Neuseeland hergestellt wird, hat es sogar geschafft, als medizinisches Heilmittel anerkannt zu werden. Manukahonig wird aus dem Blütennektar des Manukastrauchs gewonnen. Forscher der TU Dresden konnten nachweisen, dass nur diese Sorte eine einzigartig hohe antibakterielle Wirksamkeit hat. Er wird als sogenannter „Medihoney“ zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt. An der Universitätsklinik Bonn hat man damit schon seit Jahren großen Erfolg. Allerdings wird dieser „Medihoney“ zuvor mit Gammastrahlen behandelt, um steril zu sein. Handelsüblicher Manukahonig sowie andere Honigsorten sind für solche Zwecke also nicht geeignet.

Wer Honig nicht als Heilmittel, sondern als Genussmittel ansieht, sollte einen Blick auf das Etikett werfen. Die deutsche Honigverordnung sieht vor, dass das Herkunftsland auf der Verpackung angegeben sein muss. Häufig steht dort allerdings „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Eine legale, aber eben auch recht nutzlose Angabe, kritisieren die Verbraucherzentralen. Wer Honig aus Deutschland haben möchte, sollte auf das eingetragene Warenzeichen „Echter deutscher Honig“ achten. Es darf nur dann verwendet werden, wenn der Honig in Deutschland von Mitgliedern des Deutschen Imkerbundes produziert wurde. Da heimische Imker mit ihren Erzeugnissen allerdings nur 20 Prozent des deutschen Honigverbrauchs decken können, kann es gut sein, dass der Honig aus dem Supermarkt aus Argentinien, China oder der Ukraine stammt.

Wer ganz genau wissen will, woher sein Honig kommt, kann über die Website des Deutschen Imkerbundes und die jeweiligen Landes- und Ortsverbände einen Imker in seiner Nähe finden und dort direkt Honig kaufen. Bei vielen Imkern sind oft nur bestimmte Honigsorten erhältlich, zum Beispiel Lindenblütenhonig, Rapshonig oder Wildblütenhonig. Dies liegt daran, dass Bienen „blütenstet“ sind. Haben sie sich für eine Nektarquelle entschieden, bleiben sie meist dabei und fliegen diese immer wieder an. Stehen die Stöcke beispielsweise an Rapsfeldern, fliegen die Bienen oft auch nur die Rapsblüten an. Imker sprechen dann von einer „Tracht“. Liegt der Anteil einer „Tracht“ bei 60-80 Prozent, gilt der Honig als sortenrein. Laut Deutschem Imkerbund war 2017 übrigens trotz des späten Frühlings ein zufriedenstellendes Honigjahr. Wer also Lust auf ein Brot mit regionalem Honig hat, sollte dem Imker in der Nähe bald mal einen Besuch abstatten.

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