Nichts für Kinderhände: Immer mehr Vergiftungen durch Nahrungsergänzung

Kindergesundheit und Nahrungsergänzungsmittel

Der Satz steht auf jeder Packung – und sollte eigentlich doch selbstverständlich sein: Nahrungsergänzungsmittel gehören nicht in Kinderhände. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Eine amerikanische Studie hat jetzt festgestellt, dass die Zahl der Vergiftungsfälle drastisch gestiegen ist. Die Experten raten dringend dazu, die Präparate nicht zu unterschätzen.

Pulsrasen, Erbrechen, Schläfrigkeit – die Symptome können bei Kindern ganz unterschiedlich sein, doch die Ursache ist oft die gleiche: Der Nachwuchs hat die Dose mit den bunten Pillen, Dragees oder Kapseln entdeckt – und mehr oder weniger vollständig geleert. Schmeckt doch lecker! Nahrungsergänzungsmittel werden von Eltern oft unterschätzt, sind sie doch frei erhältlich. Forscher in den USA haben jetzt aber ausdrücklich vor der gefährlichen Achtlosigkeit gewarnt. Laut einer Studie ist die Zahl der Vergiftungen von Kindern durch vermeintlich harmlose Nahrungsergänzung von 2005 bis 2012 um ganze 49,3 Prozent nach oben geschnellt. Inzwischen geht in den USA durchschnittlich alle 24 Minuten ein Notruf von Eltern ein, deren Kinder sich mit den Mittelchen selbst vergiftet haben. Besonders die Jüngsten sind in Gefahr: In etwa 70 Prozent der Fälle sind die Kinder unter sechs Jahren alt. Die schwersten Fälle gab es allerdings bei den Älteren. In der Regel sind die Komplikationen aber glücklicherweise gut handhabbar. Ernste Folgen hatten demnach nur 4,5 Prozent der Fälle.

„Viele Kunden glauben, dass Nahrungsergänzungsmittel die gleichen Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards einhalten wie verschreibungspflichtige Medikamente“, sagt Gary Smith, Co-Autor der Studie. „Dabei gelten diese Mittel nicht als Medikamente und müssen sich deshalb auch nicht in klinischen Studien beweisen.“ In Deutschland ist die Gesetzeslage vergleichbar. Auch hier sind viele wirksame Substanzen als sogenannte Nahrungsergänzungsmittel im Umlauf, die damit rechtlich gesehen nur Lebensmittel sind – trotz ihrer teils erheblichen gesundheitlichen Effekte.

Das Spektrum der Substanzen, die Probleme bei Kindern verursachen, ist breit. Wie die Wissenschaftler feststellten, waren die Hauptverdächtigen vor allem leistungssteigernde Präparate, pflanzliche Mittel sowie jene Substanzen, die aus anderen Kulturen übernommen wurden. Bestes Beispiel: Präparate aus dem afrikanischen Yohimbe-Baum, die im Westen vor allem zum Muskelaufbau genutzt werden, stehen auf der Negativ-Liste der Forscher ganz oben. Allein ein Drittel aller Fälle, die mit diesen Mitteln in Verbindung standen, hatten einen bedrohlichen Verlauf.

Doch auch ein einfacher Energy-Drink kann schon merklichen Schaden in Kinderhänden anrichten. Die Aufmachung ist einladend, der Geschmack süß – aber die Dosis der aufputschenden Substanzen viel zu hoch für den kleinen Körper. Die Wissenschaftler raten daher zu Zweierlei: Eltern sollten alle Funktionsnahrung und Nahrungsergänzung sicher vor ihren Kindern verwahren. Und die Politik sollte Hersteller von Nahrungsergänzung strenger in die Pflicht nehmen, damit die Rezepturen noch verlässlicher werden.

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