Brennt im Mund, löscht im Körper: Ingwer ist die Heilpflanze des Jahres

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Ingwer schmeckt nicht nur lecker, zum Beispiel in Currys, als Backzutat oder im Chai-Tee. Ingwer ist auch die Heilpflanze des Jahres 2018. Sie soll bei Erkältungen, Verdauungsproblemen und Reiseübelkeit helfen.

Der Hals kratzt, die Nase läuft und überhaupt fühlt man sich schlapp. Herbstzeit ist Erkältungszeit. In kaum einer anderen Jahreszeit werden so stark Husten- und Schnupfenmedikamente nachgefragt wie in den Monaten Oktober und November. Als Ergänzung oder als Alternative zur Schulmedizin setzen viele Menschen auch auf Hausmittel. Immer häufiger die erste Wahl: Ingwer, der meist in Form von Tee eingenommen wird. Dazu wird die Knolle in dünne Scheiben geschnitten und mit kochend heißem Wasser übergossen. Der Effekt von Ingwer ist sofort spürbar: Unmittelbar nach dem Trinken stellt sich ein Gefühl der Wärme ein. Das liegt an den Scharfstoffen im Ingwer, sie regen die Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut an, was sich auf die Speichel- und Magensaftsekretion auswirkt. Auch das Zentrum Naturheilkunde der Universität Freiburg empfiehlt den Verzehr von Ingwer bei Erkältungen. „Der von außen so unscheinbare Ingwer verbirgt in seinem Inneren eine breite Palette an medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen und ist damit ein in der Naturheilkunde gerne verwendetes Heilmittel“, heißt es dort.

Ingwer, mit lateinischem Namen Zingiber officinale, enthält ätherische Öle (zwischen 1,5 und drei Prozent) und Scharfstoffe, die der Knolle ihren typischen Geschmack verleihen. Diese Scharfstoffe bestehen überwiegend aus Gingerolen und Shogaolen. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Gingerole entzündungshemmende, schleimlösende und schmerzstillende Eigenschaften haben. „Ingwer wirkt entzündungshemmend, aktiviert die Darmtätigkeit und war in Laborversuchen gegen verschiedene Viren wirksam“, hat auch die Universität Freiburg festgestellt.

Längst ist bekannt, dass Ingwer nicht nur bei Erkältungen hilft, sondern auch Magen-Darm-Beschwerden lindern kann, indem die Bildung von Magensäure angeregt wird. Dies wiederum regt den Appetit an und fördert die Verdauung. Substanzen, die in Ingwer stecken, können außerdem gegen Reiseübelkeit helfen, da sie Übelkeit und Brechreiz vermindern.

Obwohl schon Hildegard von Bingen den Ingwer in ihrem mittelalterlichen Kräuterbuch erwähnte, hat er sich in der europäischen Kultur vor allem erst in den letzten Jahrzehnten etabliert. In der asiatischen Welt spielt er dagegen schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle bei der Linderung von Beschwerden und Krankheiten. So wird Ingwer sowohl in der Ayurveda-Heilkunde eingesetzt, als auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Kein Wunder: Das tropische Südostasien ist die Heimat des Ingwers. Er wird in Indien und China kultiviert und spielt auch als Würzmittel in vielen Speisen eine bedeutende Rolle, etwa in eingelegter Form beim japanischen Sushi oder als Beigabe in asiatischen Currys. Über Südostasien fand Ingwer auch seinen Weg in die angelsächsische Küche. Gingerbread oder Ginger Ale sind heute als typische Speisen bzw. Getränke der englischen Küche bekannt.

Der Verein NHV Theophrastus, der seit 2003 die Heilpflanze des Jahres kürt, erklärte Ingwer folgerichtig zur Heilpflanze des Jahres 2018. Damit sollen die aus Asien stammende Pflanze und ihre arzneilichen Effekte bekannter gemacht werden, hieß es zur Begründung von Konrad Jungnickel, Vorsitzender des Vereins. Ingwer-Liebhaber aus der ganzen Welt freut’s – endlich eine angemessene Wertschätzung!

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