Vegan & Co. für Kinder: Wenn der gute Wille zum Risiko wird

Kinder essen, was ihre Eltern für richtig halten. Meistens jedenfalls – und genau das kann zu ernsten Problemen führen. Denn der Trend zu vermeintlichen Lebensmittelunverträglichkeiten und Spezialdiäten schlägt auch auf den Nachwuchs durch, besonders deutlich wird das bei strengen Veganern. Da kann aus der Überzeugung schnell ein gesundheitliches Risiko werden.

Na klar: Es ist möglich, jedes Kind von Geburt an vegan zu ernähren. Es ist eben nur nicht ganz einfach – und die Gefahr von Mangelernährung wächst, je entbehrungsreicher eine Diät ist. Immer wieder geistern krasse Einzelfälle durch die Medien, wie von jenem Baby, das mit schweren Hirnblutungen in eine Jenaer Klinik eingeliefert wurde, weil es unter starkem Vitamin B-12-Mangel litt. Seine Mutter hatte es ein Jahr lang gestillt und sich derweil selbst nur vegan ernährt. Oder von jener Mutter aus Pennsylvania, die ihren elfjährigen Sohn nur mit Früchten und Trockenobst gefüttert hatte. Oder von dem Kindergarten in der Schweiz, dessen Eltern ihre Kinder in Scharen abgemeldet hatten, nachdem man es dort mit der gesunden Ernährung gar zu ernst genommen hatte. Neben den spektakulären Einzelfällen gibt es aber eine noch viel größere Zahl, bei denen der gute Wille zu ernsten Problemen führt. An praktisch jeder Grundschule oder Kita gibt es Kinder, denen die Eltern einen Haufen Verbote mit auf den Weg geben: Kein Honig, kein Käsebrot, kein Kakao. Manchmal darf es auch kein Obst oder Gemüse sein, da das vermutlich mit mineralischem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln aufgezogen wurde.

Längst hat sich Widerstand gegen derlei radikale Ernährung von Kindern gebildet. Die Deutsche Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält eine vegetarische Ernährung auch bei kleinen Kindern für möglich, warnt aber vor den Risiken des Veganismus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät ebenfalls zu Vorsicht bei der vegetarischen und veganen Ernährung von Kindern: Diese hätten wegen ihres Wachstums einen besonders hohen Nährstoffbedarf, gleichzeitig aber kaum Nährstoffspeicher. Stillende Mütter sollten besonders sorgsam auf ihre Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen achten. Würden dem Fötus zum Beispiel zu wenig Jod oder Vitamin B12 zur Verfügung gestellt, drohten schwere neurologische Schäden und Entwicklungsstörungen.

Die DGE führt auch Studien an, wonach Säuglinge und Kleinkinder von tierischen Proteinen profitieren. Vegan oder makrobiotisch ernährte Kinder seien demnach vermehrt in der Entwicklung zurückgeblieben, da die pflanzlichen Proteine weniger gut vom Körper verwertet werden könnten. Betroffene Kinder hätten aber in der Entwicklung aufgeholt, nachdem die Ernährung wieder umgestellt wurde. Auch bei einer Reihe weiterer, essentieller Nährstoffe, wie Calzium, Eisen, Zink oder langkettigen Fettsäuren gibt es Belege, die auf Mangelernährung bei Veganern hindeuten.

Veganerverbände verweisen dagegen darauf, dass es nur einer geeigneten Nahrungsergänzung bedürfe, um den Nährstoffmängeln vorzubeugen. Doch abgesehen davon, dass es offenbar nicht jedem Menschen gelingt, die Diät sicher zu praktizieren, gibt es auch noch psychologische Komponenten, die gegen solche Einschränkungen im Kindesalter sprechen: Essen hat schließlich auch eine wichtige soziale Funktion. Was macht es mit einem Kind, wenn es bei der Geburtstagsparty als einziges keinen Kuchen essen darf? Was ist, wenn der Eintopf bei Oma plötzlich tabu ist? Die Sonderbehandlung kann dabei sogar einen Placebo-Effekt auslösen, der manche fragwürdige Diät wie einen Erfolg aussehen lässt, wie der Bremer Kinderarzt Martin Claßen in der Welt erklärt. Hinter dem Trend zu veganer, laktosefreier oder glutenfreier Kost stecke meist die Idee, mit einer kleinen Veränderung in der Ernährung große, grundsätzliche Veränderungen auslösen zu können. Ein Irrtum, wie Claßen meint. Oft blieben die positiven Effekte nämlich auch dann erhalten, wenn die weggelassenen Lebensmittel wieder auf den Speiseplan kämen.

Einig sind sich Fachleute aber auch darin, dass zu viel Fleisch, Milch oder Eier ebenfalls Risiken bergen. So vertraut und langweilig es also klingt: Auf das rechte Maß kommt es an, auf Vielfalt und Ausgewogenheit.

Was ist aber zu tun, wenn das eigene Kind plötzlich ganz von alleine beschließt, keinem Tier mehr etwas zuleide tun zu wollen – und zum strikten Veganer wird? Experten raten dazu, das Kind in diesem Fall lieber positiv zu begleiten, als umzustimmen. Das heißt dann eben auch, die eine oder andere Küchengewohnheit zu ändern und vor allem: sich gründlich zu informieren. Denn vielen Risiken lässt sich durch gezielte Ernährung oder Nahrungsergänzung begegnen. Insbesondere Vitamin B12 sollte dann in Form von Präparaten gegeben werden, auch Vitamin D ist im Winter dann meist nicht ausreichend im Essen enthalten. Grundsätzlich gilt zum Glück aber: So lange Kinder einen vitalen Eindruck machen und unverändert leistungsfähig sind, ist wahrscheinlich alles im grünen Bereich. Sollten daran auch nur leise Zweifel bestehen, steht der Gang zum Kinderarzt an, um die Versorgung mit Nährstoffen und Spurenelementen abzuklären.

Übrigens: vitesca folgt mit seinen Speiseplänen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Kindergärten und Schulen. Wer sich auf die entsprechend gekennzeichneten Menüs beschränkt, kann sicher sein, einen ausgewogenen Speiseplan mit ausreichend frischem Gemüse, gesundem Seefisch und maßvollen Portionen Fleisch zu bekommen.

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